#31: Andreas Treichl über Europas Schwäche, mächtige Bürokraten und ein funktionierendes Pensionssystem (1/2)

Shownotes

In dieser Episode diskutiert Stephan Zöchling mit Andreas Treichl über den Zustand Europas, die Grenzen der Regulierung und die Reformen, die Österreich seit Jahrzehnten aufschiebt.

Treichl führte die Erste Group 22 Jahre lang und machte aus einer Wiener Sparkasse eine zentraleuropäische Bank mit über 15 Millionen Kunden. Heute ist er Vorstandsvorsitzender der Erste Stiftung und einer der lautesten Rufer nach einer europäischen Kapitalmarktunion.

Im Zentrum des Gesprächs stehen die Expansion nach Osteuropa und die Fehleinschätzung, dass ein EU-Beitritt automatisch Rechtsstaatlichkeit bringt. Dazu die Frage, warum die Politik der eigenen Bürokratie keine Grenzen mehr setzen kann und warum Skandinavien vormacht, was hierzulande nicht gelingt.

Themen der Folge: • Unternehmer statt Banker: Warum Treichls Karriere heute nicht mehr möglich wäre • Erhard Busek, der Mitteleuropa-Fimmel und die Idee hinter der Erste Group • Der Irrtum: EU-Beitritt bedeutet nicht automatisch funktionierende Demokratie • Regulierung ohne politische Kontrolle • Warum Europa keine echte Wirtschaftsunion ist • Der Draghi-Bericht und 383 Vorschläge, die liegen bleiben • Schwache Regierungen, schwaches Brüssel • Skandinavien als Vorbild bei Kapitalmarkt und Pensionen • Warum die zweite Säule in Österreich politisch blockiert ist

Der Gast: Andreas Treichl war von 1997 bis 2019 Vorstandsvorsitzender der Erste Group. Unter seiner Führung expandierte die Bank nach Tschechien, in die Slowakei, nach Ungarn, Kroatien und Rumänien. Davor arbeitete er bei Chase Manhattan und Crédit Lyonnais, in den Neunzigern war er ÖVP-Finanzreferent unter Erhard Busek.

Heute ist Treichl Vorstandsvorsitzender der Erste Stiftung und Mitgründer der Zweiten Sparkasse. Er tritt für eine europäische Kapitalmarktunion ein und für ein Pensionssystem, das nicht allein auf dem Umlageverfahren beruht.

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Transkript anzeigen

00:00:00: Das Absurde ist, dass nationale Politiker in die EU schicken und sie dort einsetzen.

00:00:10: Bei allem was Schief geht alles immer auf die EU-Schieben.

00:00:13: Und damit haben Sie nicht recht!

00:00:15: Weil viele der Sachen, die extrem gut für jeden Staat in Europa insgesamt sind, sind Sachen, das kann die EU nicht machen.

00:00:26: Die müssen in den Nationalstaaten, in den Ministerien erledigt werden.

00:00:30: Streitwert ist der Podcast über das, was wirklich zählt.

00:00:34: Mein Name ist Stefan Zöckling und ich spreche mit Persönlichkeiten über die Themen, die zu wertvoll sind um darüber nicht zu streiten.

00:00:41: Andreas Treigli ist einer der prägensten Banker dieses Landes.

00:00:44: Zweiundzwanzig Jahre lang hatte erste Group geführt unter seiner Wiener Sparkause eine dezentraleuropäische Bank mit mehr als fünfzehn Millionen Kunden gemacht von Polen bis Kroatien.

00:00:55: Unter ihm wurde auch zum Vorreiter im digitalen Banking Mit der Übernahme der Jessica Sporetell.

00:01:00: in einem Jahrzehntausend hat er den Einstieg nach Osteuropa noch vor dem EU-Beitritt Tschechens geschafft.

00:01:06: Zwei Tausend Fünf kaufte die rumänische PCR um damals sagenhafte drei Kommas sieben Milliarden Euro, das war damals der größte Auslandstil der österreichischen Wirtschaftsgeschichte.

00:01:17: Andreas Dreigel selbst war in den neunzigern ÖVP Finanzreferent und da Erhard Buseck.

00:01:23: Er hat die erste durch die Finanzkrise geführt und das aufgenommene Staatsgeld mit Zins- und Zinseszins zurückgezahlt.

00:01:30: Heute ist der Vorstandsvorsitzender der erste Stiftung, einer der lautesten Rufa nach einer Europäischen Kapitalmarktunion und einer Pensionsreform, die die Politik seit Jahrzehnten aufschiebt.

00:01:42: Die Frage ist was braucht Österreich damit es nicht den Anschluss verliert?

00:01:45: und traut sich noch jemand das ehrlich zu benennen?

00:01:49: sich anderen Meinungen aussetzen, Widerspruch aushalten und bessere Antworten auf die Fragen unserer Zeit finden.

00:01:54: Ich bin Stefan Söchling.

00:01:55: Willkommen bei Streitwerk!

00:01:56: Heute zu Gast Andreas Treichel.

00:01:59: Vielen Dank für dein Kommen.

00:02:01: Über zwei Jahrzehnte CEO der erste Gruppe heute Vorstandsvorsitzender der Erste Stiftung, zwanzig-zwanzig bis zwanzighierundzwanzigg Präsident des Europäischen Forums Alpbach und Gründer der zweiten Sparkasse.

00:02:15: unser Thema heute Wie viel Zukunft?

00:02:18: kann sich ein Land leisten, das nicht mehr investiert.

00:02:21: Und welche Reformen braucht es jetzt damit Österreich und Europa nicht den Anschluss verlieren?

00:02:26: Herzlich willkommen Andreas Freigel!

00:02:29: Dankeschön, war mich hier zu sein.

00:02:32: Hier steht in jeder Biografie einen anderen Jobtitler Bankmanager Nicht-Bankei.

00:02:37: Das Klingtechnisch ist aber ein wesentlicher Unterschied.

00:02:40: Ein Bankier hat ein Lebenswerk, eine Haltung, eine Verantwortung gegenüber seinen Kunden.

00:02:45: einen Banker führt, ein bösernotiertes Unternehmen und denkt in Quartalen.

00:02:49: Du hast dazwischen gelebt vor der erste Bank was du bei Jasmine hätten und bei der Kredit Lionel.

00:02:56: Für mich warst du immer ein Bankier.

00:03:01: Würdest du mir widersprechen wenn ich dir diese Attitude weiter zusprechen würde, oder siehst du dich wirklich als Banker?

00:03:10: Ich sehe mich weder als Bankern noch als Bankier.

00:03:15: Sehe mich auch nicht als Gründer der zweiten Sparkasse sondern Mitgründer des zweiten Sparkasses und sehe mich als Unternehmer der zufällig bei einer Bank gelandet ist.

00:03:30: Und würdest Du Deine Vito von heute, die dich über die Jasmine hätten und der Kertit Leonel dann in die erste Bank geführt hat.

00:03:41: Glauben das du das heute wiederholbar wäre?

00:03:46: Das was ich aus der ersten Gruppe gemacht habe, wie ich sie in dem Jahr nineteen siebenundneinzig übernommen hab, das wär' heute nicht mehr möglich.

00:03:58: Das würde die Regulierung Veränderung der Finanzierungsformen, die Banken geben können nicht mehr möglich machen.

00:04:09: Da haben wir, glaube ich, die letzten Jahre erwischt wo solche Sachen noch möglich waren.

00:04:15: das hat sich mit dem Jahr zwei tausend acht dramatisch verändert.

00:04:19: also hätte ich zehn jahre später begonnen wird es die erste Gruppe dieser Form nicht geben.

00:04:26: Du bist ja unter.

00:04:28: er hat Busseck zu einem klienten europäer geworden oder mit er hat busseck.

00:04:34: Die Saga sagt angeblich hat der Pussek sogar die Idee geliefert aus der erste Bank das zu machen, was es dann wurde.

00:04:41: Ist das Gerücht richtig oder ist das eine schöne Geschichte?

00:04:45: Der Erdpussek hat große Stärken gehabt und Unternehmertum war nicht seine allergrößte Stärke.

00:04:54: aber ich habe schon wie ich bei der Chess in New York gearbeitet hab Da sind wir dann die Amerikaner eine Zeit lang auf den Nerven gegangen.

00:05:03: Und da bin ich nach Wien gegangen für ein Jahr und habe für ihn im Wahlkampf gearbeitet, wie er Bürgermeister in Wien werden wollte.

00:05:11: Er war ziemlich über der Achtund Siebziger.

00:05:13: großer Erfolg für ihn, obwohl er sich nicht wahnsinnig als kein großer Waldkämpfer gewesen hat.

00:05:24: Er hat's Mitteleuropa genannt, interessiert und war ja gemeinsam im Karisch-Wazenberg jemand der damals schon Valensa und Harrell zur Rinde und alle die Politiker besucht hatte.

00:05:39: Und mit ihnen irrsich gute Kontakte aufgebaut hat.

00:05:42: und das völlig richtig dass er – ich habe mich damals noch nicht wirklich für Mitteleuropa interessiert – und er hat damals schon Ende des siebziger Jahre gesagt Europa muss diese Länder wieder zurückgewinnen und wenn das passiert, dann werden wir ein ganz anderes Europa haben.

00:05:59: Und er hat mein Interesse für diese Region geweckt.

00:06:05: Weil

00:06:05: du hast einmal gesagt ich hatte einen Mitteleuropa-Filmer Erhard Bussek war der Vordenker von Mitteleurope und er weiß ja mit die Idee für die erste Gruppe gegeben hat.

00:06:15: Das heißt, dass ist tatsächlich schon... aber das heißt, du warst auch... Wenn du für ihn Wahl gekämpft hast, warst du einer seiner bunten Vögel?

00:06:21: Ich war einer seiner... Du war ja eine ganz andere Zeit, als jetzt eure Leute wieder hier gemaut haben in der ÖVP.

00:06:29: Das war wirklich lustig!

00:06:31: Ja das kann ich mir vorstellen aber ist das weil du auch immer ausboken warst und auch dementsprechend dich getraut hast die Politik öffentlich zu widersprechen?

00:06:43: Ist die Politik wehleidiger oder rachsüchtiger geworden, weil sich es heute keiner mehr traut?

00:06:47: Oder sind wir einfach nur zurückhaltender oder kommen mehr kompläend geworden im Rahmen unserer diversen Compliance-Richtlinien in bösernötierten Banken das heute keinermehr öffentlich so auftritt wie du das einmal getan hast.

00:07:01: Beides stimmt!

00:07:02: Ich glaube die Politik hat sich total verändert und ich glaube dass sich Politik im Wesentlichen mit dem entstehen der Social Media total verändert hat, weil es eine völlig neue Kommunikationsbasis zwischen der Politik und den Menschen und den Wählern entwickelt hat.

00:07:24: Eine viel intensivere und viel brutalere.

00:07:28: Und ich glaube das durch die Regulierung der Wirtschaft dass Unternehmertum auch eingeschränkt wurde.

00:07:39: Ich bin nicht so negativ über die Regulierung insgesamt und das, was sich in der EU abspielt aber wie bei allem wenn man Regulatoren politisch nicht kontrolliert dann gehen sie schlicht und einfach zu weit.

00:07:54: und genau das ist im Europa passiert.

00:07:58: wir haben eine extreme professionelle Bürokratie in Brüssel und der EU insgesamt, die auch hochqualitativ ist.

00:08:12: Und die Politik kann da nicht mithalten!

00:08:15: Die Politik ist nicht in der Lage, der Bürokratie die Richtung so vorzugeben.

00:08:21: Sie sagt bis dort hin und dann nicht weiter.

00:08:23: Weil

00:08:23: sie es nicht kann oder weil sie das nicht versteht?

00:08:25: Oder was sind die Konsequenzen anzunehmen?

00:08:28: Weil sie's nicht kann und weil sie zum Teil auch nichts versteht.

00:08:30: Und die K konsequent sind nicht antezitzend nicht abschätzen können!

00:08:34: weil die Kompetenz in der Politik abhandengekommen ist?

00:08:37: Ich glaube nicht, dass die Kompatienz in der Politik abhandengekommen ist.

00:08:40: Ich glaube, dass extrem viel mehr Kompetenzen verlangt wird als noch vor fünfundzwanzig Jahren, denn diese Regulierung hat es vor fünf und zwanzig Jahre nicht gegeben.

00:08:51: Es war schlicht und einfach nicht da, also hat sich die Politik damit auch nicht beschäftigen müssen.

00:08:56: Wir sehen das in extrem vielen Bereichen, nicht nur im Finanzbereich.

00:09:03: In jedem Wirtschaftsbereich passiert das.

00:09:06: Aber die Regulierungen im Finanzbereich haben natürlich zum Teil auch dazu geführt dass die Wirtschaft abgedreht wurde.

00:09:11: Also Stichwort Immobilienfinanzierung stichwort Bauindustrie.

00:09:15: mit der Kim-Verordnung ist natürlich Dinge passiert die nicht in eurem Interesse waren als Finanzwirtschaft.

00:09:23: Es ist ein Problem der Subsidiarität, die wir in Europa haben.

00:09:30: Subsidarität hat große Vorteile.

00:09:35: Ich glaube, dass die Politik auf Gemeindebene größer als sehr gut funktioniert und manchmal auch immer je weiter ich hinaufgehe, wird es ein bisschen schwächer und am Schwächsten ist es auf der europäischen Seite.

00:09:52: Und das wissen wir alle nicht nur in Österreich so, sondern allen europäischen Ländern.

00:09:56: Wir schicken ja nicht gerade die Polizstars nach Brüssel.

00:10:02: Offensichtlich nicht!

00:10:04: Als die erste begonnen hat, Banken in Osteuropa zu kaufen.

00:10:07: bei den Grundanahmen, die Demokratie wird in der ganzen Region stärker.

00:10:10: Alle Länder kommen in die EU.

00:10:12: Das ist nicht so linear eingetreten wie damals gedacht.

00:10:16: Siehst du dafür einen Grund, beziehungsweise wenn es irgendwo nicht so demokratisch geworden ist?

00:10:20: Was sind die Gründe dafür?

00:10:23: Ich kann jetzt sich die gründe dafür nähnen.

00:10:25: ich kann sagen dass wir uns da schlicht und einfach geirrt haben.

00:10:30: Und ich vor allem bin davon ausgegangen das Länder die der EU beitreten automatisch auf einen Kurs kommen, der sie in Richtung Rechtsstaatlichkeit, Sicherheit der Institutionen und Demokratie bringt.

00:10:47: Deswegen haben wir auch im Gegensatz zu anderen Finanzinstituten gesagt Wir gehen nicht nach Russland weil wir nie daran geglaubt haben dass aus Russland eine rechtsstaatliche Demokratie wird Und haben uns auf die Länder in Mitteleuropa beschränkt Banken in Tschechien oder ich habe Tschechin, Slowakei, Ungarn, Kroatien und Rumänien gemacht.

00:11:09: Und der Peter Bosse gerade jetzt vorhin gemacht hat, rausartig mit Bol-Nau gezogen.

00:11:13: Freut mich irrsinnig!

00:11:15: Jetzt sind wir de facto im gesamten Zentral-Arabischen-Rand der EU tätig.

00:11:21: Ich hab auch noch einen Jahrzehntausende im Jahrzehnzehnteil eingestiegen und dann ein paar Jahre später sind diese Länder tatsächlich der EU beigetreten.

00:11:33: Und damit war für mich abgesichert, dass wir in all diesen Ländern langfristig den Weg in Richtung rechtsstaatliche Demokratie haben werden.

00:11:44: und das ist wie wir alle wissen nicht eingetreten und in der Zwischenzeit haben wir eben auch sehr viele Versuche in dieser Region von politischen Bewegungen aus Rechtsstaatlichkeit und der Demokratie in etwas anderes abzurücken.

00:12:03: So, das ist eine neue politische Situation mit der wir fertig werden müssen.

00:12:09: Aber stimmt die Tese zu?

00:12:11: Ich meine, wir haben uns im Jahr nineteen-fünfundneinzig beim EU-Eitritt, haben wir uns erwartet dass wir relativ zügig eine europäische Außenpolitik haben werden einen europäischen Grenzschutz einen europäischen Kapitalmarkt.

00:12:23: Das ist heute im Jahr zwanzig, sechsundzwanzig nicht der Fall.

00:12:26: Also es sind einunddreißig Jahre her und das heißt wir selbst sind ja an uns selbst gescheitert wenn man so möchte oder an der Bürokratie oder am Einstimmigkeitsprinzip oder war er noch immer?

00:12:39: dann starten die siebzig jahrelangen Kommunismus gelebt haben in Vorwurf zu machen dass sie nicht binnen zwanziger an große Demokraten sind?

00:12:47: Ist das nicht etwas überheblich?

00:12:50: Ich habe ja keinen Vorwurf gegeben.

00:12:51: Nein, nein

00:12:52: du nicht!

00:12:53: Aber wie als Europa machen die eine oft im Vorwurf?

00:12:57: Ja also ich glaube da gibt es andere Situationen in Europa wo sich jeder mit seinem eigenen Land beschäftigen und nicht mit Tschechien, Slowakei und Ungarn.

00:13:10: aber was du sagst ist natürlich völlig richtig wenn du zurück denkst In der Zeit, in der Österreich der EU beigetreten ist, war die EU extrem stark.

00:13:23: Wir können ja die EU nicht als das was sie ist jetzt verteilen.

00:13:29: Die EU hat fünfzig Jahre extrem gut funktioniert und hat vieles vorangebracht Und dann ist es zur Erweiterung gekommen.

00:13:41: Dann hat man viele Schritte gesetzt um die EU noch stärker zu machen, die waren aber alle nicht total ausgefeilt.

00:13:50: Wir haben den Euro eingeführt zu einem Zeitpunkt wo wir wussten das nicht alle Staaten dem Europa beitreten werden.

00:13:57: Aber den Euro einzuführen war ein politischer Monsterakt und hat gebraucht die Bereitschaft der Deutschen nach der Wende zu sagen wir geben die stärkste Währung Europas auf und legen uns mit den Franzosen in ein Währungssystem hinein, um den Italienern die die schwächsten Währungen gehabt haben.

00:14:23: Das war ja ein politischer Gewaltakt und eigentlich sensationell.

00:14:29: nur es war eben nicht komplett!

00:14:32: Und jetzt haben wir die unterschiedlichen Erscheinungsformen in Europa.

00:14:37: Wir haben Staaten, die in der EU sind.

00:14:39: Wir haben Staten, wo sie nicht in der EU sind.

00:14:44: Und wir haben Staaken, die aber nicht im Euro sind.

00:14:49: Das sind keine optimalen Voraussetzungen, um etwas zu funktionieren und zu bringen.

00:14:55: Limitieren somit auch die Idee des gemeinsamen Kapitalmarkts seiner Meinung nach?

00:15:00: Natürlich!

00:15:02: Wir wollen ganz einfach realisieren, dass die EU einen anderen Weg gehen könnte.

00:15:08: Und sie hat sich halt dafür entschieden, Kompromisse zu machen um möglichst viele Staaten in die EU hineinzuholen.

00:15:17: Das ist ja nicht per se eine falsche Strategie zu sagen.

00:15:21: ich möchte möglichst dass alle Länder die geographisch in Europa sind oder mehrheitlich geografisch in europa sind diesem Wirtschaftsraum oder dieser Union beitreten.

00:15:34: aber Man hätte auch die andere Strategie gehen können und sagen, wir bleiben bei den zwölf, die es damals waren.

00:15:43: Die viel kompatibler waren miteinander alle zwölft starten.

00:15:47: Nineteundneinzig waren tiefe Demokratien mit ähnlichen Vermögens- und Wirtschaftsverhältnissen und durch die Erweiterung auf achtundzwanzig und siebenundzwartig starten ist sie natürlich viel diverser geworden.

00:16:04: Die Einkommensunterschiede sind, die Wirtschaftling-Unterschieden sind dramatisch, die kulturellen Unterschiede sind viel dramatischer geworden und auch die politischen.

00:16:12: Und damit leben wir halt jetzt.

00:16:15: Wir haben uns für einen Weg entschieden.

00:16:17: Den müssen wir weitergehen oder es umdrehen?

00:16:21: Du hast im Oktober twenty-fünf in einem sehr beachteten Gastkommentar geschrieben.

00:16:26: Mare Tragi hat einen ehrgeizigen Plan vorgelegt, dreihundertdrehenachzig Vorschläge um die EU wettbewerbsfähiger zu machen.

00:16:32: doch wir haben weitergemacht wie bisher.

00:16:34: Wir sind konsequent weiter zurückgefallen und du hast diesen Satz auch gesagt der Hängen bleibt.

00:16:40: siebenundzwanzig Zwerge können sich gemeinsam besser gegen Trumps Willkür wären als jeder für sich allein.

00:16:48: Wenn ich dir jetzt zuhöre, dann sind wir vielleicht zu schnell gewachsen und es wäre besser statt siebenundzwanzig nur zwölf oder fünfzehn.

00:16:55: Zwerge?

00:16:57: Das ist eine theoretische Frage!

00:16:58: Jetzt sind wir zwanzig, also welche wollen halt doch irgendwelche Ethicalsitz machen.

00:17:05: Und jetzt muss man das Beste draus machen und prinzipiell werde ich jetzt eher dafür, dass wir das Loch erweitern und auf den Westbalkan mit hinein, wie es sich schon wurscht.

00:17:16: so viele.

00:17:17: Wir haben natürlich extreme Schwierigkeiten da wirklich, das sehen wir jetzt die ganze Zeit Sachen umzusetzen und dass das behindert die EU.

00:17:31: aber es geht was weiter ist ja nicht so, dass nichts passiert!

00:17:36: Wir reden zumindest über Sachen, über die hättest du vor fünf Jahren oder sechs Jahren nie geredet.

00:17:42: und

00:17:44: wie zum Beispiel

00:17:46: Wenn du mich gefragt hattest im Jahr ist, dass die SPD und die Grünen in Deutschland eine Erhöhung des Verteidigungsbudgets von Hundert Milliarden zustimmen bis Depart.

00:18:01: Und Sie haben es gemacht!

00:18:02: Dass jetzt nicht viel passiert damit, ist ein Problem.

00:18:06: Dass sich die Deutschen und die Franzosen nicht einmal auf einen Faitaget einigen können, Es setzen sich Politiker, von denen ich es vor zehn Jahren nie erwartet hätte mit Themen auseinander, mit denen sie sich vor zehn nicht auseinandersetzt hätten.

00:18:26: Dass eine SPD jetzt in Deutschland bereit ist, eine Kapitaldeckung in den Pensionen zuzustimmen, ist ein ihrer Durchbruch und ich glaube schon dass wir uns ganz einfach damit abfinden müssen keine ideale Union haben, die allein einer alles verhindern kann.

00:18:53: Da gibt es extrem viele institutionelle Hindernisse und auch wenn alles perfekt wäre unter siebenundzwanzig unterschiedlichen Partnern etwas gemeinsam zu finden ist extrem schwierig.

00:19:07: Und das eines auch nicht vergessen dass die Regierungen In den neunziger Jahren, ja viel stärker waren als jetzt.

00:19:19: Du zahmein Arbeit damals zwischen Deutschland und Frankreich anschaust, die er wirklich gut funktioniert hat also Kohl und Mitteron.

00:19:28: Aber der Kohl, ich kann es dir nicht genau sagen aber... Der wird wahrscheinlich... ...fünfundachzig Prozent der Bevölkerung hinter sich gehabt haben weil da war eine CDU SPD-Regierung Deutschland, wie anders hat es da nicht gegeben.

00:19:46: Auf der anderen Seite war Frankreich eine sozialistisch geführte Regierung die mit den grüßlich-sozialen und den Gullisten zusammengearbeitet haben auch.

00:19:57: Das heißt sie waren in ihren eigenen Ländern irrsinnig stark Und dann gemeinsam auch im EU-Parlament.

00:20:05: Und wenn es sich jetzt anschaut, wo die CDU herumkrebst gemeinsam mit der SPD nicht einmal die Hälfte von dem was sie damals gehabt haben.

00:20:13: Mit einer extrem starken Opposition.

00:20:16: und in Frankreich... Macron hat im Land vielleicht nicht zwanzig Prozent oder was?

00:20:22: Weniger!

00:20:24: Ich glaube nicht so sehr.

00:20:25: wir verherrlichen immer die Persönlichkeiten in der Vergangenheit.

00:20:29: ich glaube ehrlich gesagt nicht dass der Kohl so viel Total, super besser war als es der März ist.

00:20:35: Der war in einer ganz anderen Situation.

00:20:37: Kannst du überhaupt nicht mehr vergleichen?

00:20:39: Wir leben in viel komplexeren politischen Umständen weil die Politik in den Nationalstaaten, die Regierungen in den nationalstaaten schwächer geworden sind und daher die Kooperation im Brüssel auch schwäicher geworden ist.

00:20:52: Aber was sind

00:20:53: denn nicht die Probleme, die diese Regierung haben auch ausgemacht?

00:20:57: Die haben sich ja das zum Teil selbst ins Land geholt, vomiziert zu kämpfen.

00:21:01: Also das ganze Thema Immigration

00:21:03: z.B.,

00:21:04: dass sowohl in Deutschland als auch in Österreich ein Riesenthema ist oder auch in Italien und auch das Erstarken der rechten Parteien – in Deutschland die AfD, in Österreich die FPÖ – ist doch zum Teil ausgemacht, oder?

00:21:15: Letztzeitig ist was ausgemachte.

00:21:19: Wenn du verlierst, verlierst du entweder weil er andere so viel besser ist oder weil du so viel schlechter bist

00:21:27: oder weil du es nicht kommunizieren kannst, weißt du?

00:21:29: Ich

00:21:29: glaube ich ist ehrlich gestanden.

00:21:31: Nicht!

00:21:31: Ich beobachte die FPÖ schon seit vielen Jahrzehnten und ich glaube nicht dass die FPö jetzt so viel besser ist als sie unter Heiders Zeiten waren.

00:21:45: aber die anderen sind da etwas schwächer geworden.

00:21:48: Die Wettbewerbsfähigkeit Europas steht ja ein zentrales Thema, das uns alle beschäftigt.

00:21:54: Was würdest du als erst die unbequemste Maßnahme empfehlen oder setzen wenn du sie umsetzen könntest?

00:22:02: Um die Werbesfähigkeit der Europas zu stärken?

00:22:08: Ich glaube nicht dass du eine Maßnahme setzen kannst um die Wett Bewerbsähigkeit Europaz zu stärkern und ich glaube das ist eine grundsätzliche Entscheidung treffen muss und die ist schlicht und einfach glauben wir, dass wir einen echten europäischen Wirtschaftsraum hätten.

00:22:34: Wenn wir alle Barrieren abschaffen würden innerhalb Europas – was wir nicht haben!

00:22:40: Wir haben in Wirklichkeit in Europa eine Wirtschaftsunion, die noch auf die alte Stahlkohleunion passt.

00:22:50: Bei den Dienstleistungen und in der Kommunikation haben wir ja keine Wirtschaftsunion, ist ja nicht so.

00:22:57: Wir haben keine Bankenunion in Wirklichkeit!

00:22:59: Wir haben kein Kapitalmarkt-Union, wir haben keine Kommunikationsunion... ...wir haben keine Transportunion – wir haben das alles nicht.

00:23:08: Und wenn wir ein wirklich starker Wirtschaftsraum sein wollen würden dann müssten wir das alles haben.

00:23:16: Das kann aber nur funktionieren wenn die Politik in der Lage ist, das ihren Bürgern in den Nationalstaaten so zu übersetzen.

00:23:26: Das ist wirklich verstehen!

00:23:28: Man kann dem Menschen in Österreich oder in Deutschland oder wo auch immer nichts vorwerfen, dass sie nicht so positiv über die EU denken, weil die Politik im Nationalstaat es ihnen nicht erklären kann, dass ein wirklich starker gemeinsamer europäischer Wirtschaftsraum den Wohlstand für jeden Bürger in jedem Nationalstaat verbessern würde, weil ganz einfach die Wirtschaft besser funktionieren würde.

00:23:59: Und darum geht es schlicht und einfach.

00:24:01: Ich glaube dass wir das nicht da haben.

00:24:04: Das Absurde ist, dass nationale Politiker die Politiker in der EU schicken und sie dort einsetzen bei allem was Schiefgeht alles immer auf die EU schieben.

00:24:18: Und damit haben sie nicht recht.

00:24:21: Man darf auch die Macht der EU nicht überschätzen.

00:24:26: Die EU hat ein relativ kleines Budget im Verhältnis zu den Nationalstaaten und kann sich bei den nervigen Sachen durchsetzen, Regulierung.

00:24:36: Aber die Wirtschaft in Europa wirklich gestalten können wir den Nationalstatten gemeinsam.

00:24:43: Wenn man fragt was wäre die eine Maßnahme?

00:24:50: Wenn ich die EU anführen würde, würde ich eine erste Maßnahme treffen.

00:24:59: Ich versuche die Kommission davon zu überzeugen einen Teil des Budgets das die EU hat wieder für die Nationalstaaten zu verwenden und sagen pass auf wir geben jetzt drei vier Prozent von unserem Budget relativ viel Geld um den Nationalstaaten, die Ressourcen zur Verfügung zu stellen.

00:25:27: Dass sie in ihren Finanzministerien, ihren Wirtschaftsministerien Industrie, Sozialministerien Personal aufbauen können, die nichts anderes machen als versuchen sich innerhalb der Nationalstaat miteinander so abzustimmen dass sie dann wirklich gut mit der EU zusammenarbeiten können.

00:25:48: Weil viele der Sachen, die extrem gut für jeden Staat in Europa und für Europa insgesamt sind Sachen.

00:25:58: Die kann die EU nicht machen.

00:25:59: Sie müssen in den Nationalstaaten, in den Ministerien erledigt werden.

00:26:03: Nur die Ministerien in den nationalstaaten haben das Personal nicht um sich solche Sachen zu kümmern.

00:26:09: Und kümmern sie auch nicht darum weil alles keine Sachen sind mit denen Wahlen gewinnen können.

00:26:17: Wenn du eine Kapitalmarktunion aufstellen wirst, musst du das Insolvenzrecht in allen Staaten ein- und aneinander angleichen.

00:26:26: Du brauchst in jedem Justizministerium Leute die daran arbeiten und dann müssen sich die Österreicher mit den Italienern, dem Portugiesen und den Belgiern hinsetzen und den Schächern sagen – und das machen wir!

00:26:37: Also ich würde die Kooperation auf der nationalen Ebene von der EU aus wesentlich unterstützen.

00:26:44: Dann würde ich das EU-Parlament bitten, das zu genehmigen.

00:26:47: Aber

00:26:47: es gibt ja zum Beispiel... In der Wirtschaft sagt man immer best in Klaus, was die Kapitalmarktkultur angeht ist ja Skandinavien.

00:26:55: Dort gibt's ein hohes ganz anderes Verhältnis zur Risiko.

00:27:00: Warum geht man nicht her und nimmt die als quasi diejenigen, die das zum Beispiel vorantreiben sollten?

00:27:06: Ich weiß doch

00:27:07: nicht wie so ist!

00:27:11: Das weiß ich schon, aber du bist der Kapitalmarktexpert im Unterschied zu mir.

00:27:14: Ich

00:27:18: glaube das ist ein sehr gutes Beispiel.

00:27:22: Wir käppeln die ganze Zeit über Europa und alles ist begackt und vergessen die ganze zeit dabei dass es in Europa ein paar Länder gibt.

00:27:32: denen gehts echt gut.

00:27:36: Tänemark

00:27:38: Schweden den Vereinigten Norwegischen Emiraten geht's gut, der Schweiz geht es gut, Holland gehts gut.

00:27:46: Österreich-Deutschland sind momentan massiv unter Druck, Belgien ist unter Druck.

00:27:52: Spanien, Italien und Griechenland holen gerade ein bisschen auf, denen geht das etwas besser.

00:27:57: Und wenn sich die Situation in der Ukraine hoffentlich irgendwann in den nächsten Jahren bereinigt wird dem ganzen Ländern von Polen bis hinunter nach Humänen wesentlich besser gehen.

00:28:15: Den geht's wirtschaftlicher nicht toll, aber sie wachsen ein Eck besser als der Westen.

00:28:22: und das ist wenn du das Skandinavien, Holland und die Schweiz anschaust eine andere Kultur hat relativ wenig mit EU zu tun weil Zwei von den Ländern, denen es wirtschaftlich wirklich gut geht sind, kann nicht in der Juden, Schweiz und Norwegen.

00:28:39: Dänemark ist zwar gelingt zum Euro aber das hat sehr viel mit nationaler Politik zu tun.

00:28:48: Und ich glaube da könnten wir uns ein Beispiel dran demenden.

00:28:56: Eine völlig andere Situation als bei uns oder in Deutschland.

00:29:01: Alle diese Staaten haben wesentlich geringere Schuldenquoten als wir es haben, können daher viel mehr investieren.

00:29:09: Haben einen wesentlich ausgeprägteren Kapitalmarkt und endlich viel stärkere Repetitionssysteme als wir das haben.

00:29:18: Das heißt jetzt nicht von der Kapitalkraft her... Das sind schon...

00:29:24: Haben aber auch die Pensionssysteme, die du ja auch propagierst mit der dritten Säule.

00:29:28: In Wesentlichen also

00:29:29: gar nicht?

00:29:29: Ja, mit der zweiten Säulen.

00:29:30: Z.B.

00:29:31: die zweite Säuble, also sprich Kapitalmarkt gedeckte Pensionsysteme.

00:29:40: Was mich wirklich sehr interessiert und was mir wirklich erstaunlich ist, dass wir in Ländern wie Schweden- und Dänemark in den Achtzigerjahren und Neuzigerjahren die Sozialdemokraten und die Gewerkschafter diese Pensionssysteme eingeführt.

00:30:00: Und sind damit unfassbar gut gefahren, haben das sensationell gut gemacht.

00:30:07: Das waren nicht die Liberalen oder die das gemacht haben, sondern die Sozial-Demokraten und der Gewerksamkeit.

00:30:12: In Österreich und in Deutschland und in vielen anderen Ländern tun sich die Sozialdemokraten extrem schwer damit.

00:30:19: aber Das ist eine Kulturfrage, weil jetzt wird zu sagen die Sorteile, das stimmt nicht sondern es sind die Christdemokraten und genau so.

00:30:32: Und Unternehmer in Deutschland oder Österreich bekommen täglich zu hören, gut ja das sind die Familienunternehmer, die denken langfristig und wenn du mal an der Börse bist tust nur mehr spekulieren und ein Quartal denken.

00:30:49: Das ist halt völlig verfehltes Denken leider.

00:30:54: Andreas Dreichel spricht aus, was sich ändern muss.

00:30:56: zwischen dem, was Österreich und Europa heute sind und dem, das sie sein könnten liegen klare Reformen bei der Pension am Kapitalmarkt in Europa aber auch die Erkenntnis dass eine Gesellschaft nicht allein von der Politik getragen wird sondern von Wirtschaft, Zivilgesellschaft und jedem Einzelnen.

00:31:12: Andreas dreichelt hat seine Forderungen und seine Ideen.

00:31:15: hierbei streit wird offen ausgesprochen.

00:31:16: genau solche Gespräche brauchen wir Wenn wir als Gesellschaft weiterkommen wollen, das war Streitwirt.

00:31:22: Danke fürs Zuhören und danke Andreas fürs Kommen!

00:31:25: Und danke für deine zahllosen Impulse.

00:31:27: Titel mehr abseits von Podcast- und Fernsehsendungen immer wieder gibt's.

00:31:32: Vielen Dank!

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